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No noising, please.
Vor kurzem erzielte die englische Sprache einen Weltrekord. Mehr als eine Million Wörter umfasst das Englische nun, laut dem in Austin (Texas) ansässigen Global Language Monitor (GLM), einer Institution, die seit 1999 die Anzahl der Wörter in der englischen Sprache zählt. Zum Vergleich: Die spanische Sprache umfasst etwa 275.000 Wörter, Französisch gerade einmal 100.000.

„Englisch ist eine offene Sprache und absorbiert Wörter sehr schnell“, so der Linguist, Wortanalyst und Gründer des GLM Paul Payack. „Die Franzosen sagen nicht Computer sondern L’Ordinateur. Amerikaner haben kein Problem mit Wörtern wie ‚Kindergarten‘ oder ‚Croissant‘. Sogar ‚Ketchup‘, die Bezeichnung für ein urtypisches amerikanisches Produkt, ist eigentlich ein Wort aus dem Kantonesischen.“

Durch die weltweite Verbreitung der englischen Sprache, erst durch das britische Empire und später durch die von den USA vorangetriebene Globalisierung, hat sich die Aufnahme neuer Wörter noch beschleunigt, so Payack.

Eine noch fundamentalere Evolution erlebt die Sprache jedoch durch die Entkopplung der englischen Muttersprachler von der Verwendung „ihrer“ Sprache. „Wenn sich ein Chinese und ein Franzose unterhalten, dann höchstwahrscheinlich auf Englisch“, erklärt Payack. „Englische Muttersprachler sind daran gar nicht mehr beteiligt. Nun reden diese beiden aber natürlich kein Oxford-Englisch, sondern eine sehr regional geprägte Variante des Englischen: Der Chinese fügt vielleicht am Ende einer Frage ein typisches chinesisches Fragewort wie „ma“ ein und der Franzose benutzt französischen Satzbau.“

So entsteht beispielsweise das Phänomen des sogenannten „Chinglish“ oder „Spanglish“, Mischungen aus dem Englischen und Chinesischen oder Spanischen. Neben neuen Wörtern wie „no noising“ statt „quite please“ oder „airline pulp“ für „airline food“, entstehen so auch ganz neue Sprachstrukturen. Die pure Menge der Nichtmuttersprachler, die Englisch in ihrem täglichen Leben verwenden, ist zu einer treibenden Kraft in der Entwicklung der Sprache geworden. Dieser Prozess führt zur Entstehung einer Spielart des Englischen, die man zum Beispiel auf internationalen Tagungen oder anderen Gelegenheiten beobachten kann, bei denen viele Nichtmuttersprachler gemeinsam auf Englisch kommunizieren. „An Universitäten und in Unternehmen auf der ganzen Welt und vor allem im Internet: Überall und zu jeder Zeit wird englisch von zahllosen Nichtmuttersprachlern gesprochen. Das führt mit Sicherheit zur größten Evolution, die die englische Sprache jemals erlebt hat”, so Payack. „Auch wenn das sehr lange dauern würde, ein solcher Prozess könnte sogar zur Entstehung einer vollkommen neuen Weltsprache führen.“

Solche Szenarien, die konservative Sprachschützer in den Wahnsinn treiben würden, lassen Sprachforscher wie Paul Payack jedoch kalt. Im Gegenteil: Payack begrüßt den Wandel. „Wir haben keine Institutionen die bestimmen, so wird Englisch gesprochen und so nicht. Die englische Sprache bleibt flexibel und kann sich der Zeit anpassen. Ich denke, das ist auch besser so.“

Webseite des „Global Language Monitor“:
http://www.languagemonitor.com

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